Ganzheitliche Tierarztpraxis

Die Artikel zur "Kastration der Hündin"  und "Die Sache mit dem Ball" finden Sie, wenn Sie unten auf Weiter oder den entsprechenden Link drücken. Vielen Dank!

 

DER WELPE – eine Entscheidung fürs Leben.

 

 

Rhoda ist bei uns eingezogen. Sie ist jetzt fast 18 Wochen alt, quirlig, lebendig und stellt alles auf den Kopf. So wie es Welpen eben tun. So wie es alle Welpen getan haben, die zu uns kamen – Rhoda ist nun schon die vierte.

 

Rhoda kommt von Rhodos (und ja, das ist ein Grund für ihren Namen), sie kommt aus dem Tierheim, aber ist kein traumatisierter Hund, kein Hund, der gelitten hat, kein Hund, der einen Rucksack mitbringt. Ich habe sie gezielt ausgesucht, weil sie dem entsprach, was ich bei einem Welpen wollte. Sie ist zu einem guten Prozentsatz Jagdhund, denn ich will mit ihr mantrailen. Sie ist mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern aufgewachsen, wie ein Hund aufwachsen sollte. Sie hat Menschen kennen gelernt, ihre Mutter ist eine freundliche, soziale Hündin – eben genau so, wie ich mir eine Mutterhündin vorstelle.

 

Ich habe lange überlegt, wo ich meinen nächsten Welpen herholen wollte. Züchter kamen in Frage, denn ich habe absolut kein Problem damit, wenn Menschen sorgsam Welpen züchten, die Elterntiere mit Bedacht auswählen und das Gleiche mit den neuen Welpenbesitzern tun. So habe ich es mit meinen Fohlen gehalten – und es hat eigentlich immer gut funktioniert.

Es gibt gute Gründe für einen Hund vom Züchter.

Ich habe meine beiden aus dem Tierheim. Und – oh Schreck – sogar aus dem Ausland. Es gibt auch gut Gründe dafür.

 

Fangen wir mal mit Welpen vom Züchter an.

Wenn es sich um einen guten Züchter handelt – und nur die nenne ich Züchter, dann hat er/sie sich mit der Rasse beschäftigt, nutzt nur geprüfte/geröntgte/untersuchte Hunde mit Papieren und weiß um die Vor- und Nachteile einer Anpaarung Bescheid. Der Züchter/die Züchterin kennt seine/ihre Welpen, kann diese richtig einschätzen und auch, welcher Welpe zu welchen Menschen passt. Und er/sie merkt auch, wenn eine Rasse nicht zu den zukünftigen Besitzern passt.

Ich möchte behaupten, dass ca. 80% der Hundebesitzer ihren Welpen (oder auch erwachsenen Hund) nach dem Aussehen oder aus einer spontanen Emotion aussuchen und sich nie mit den Bedürfnissen des Hundes beschäftigt haben. Das hält Hundetrainer und Tierärzte zwar in Arbeit und Brot ist aber nicht wirklich Sinn der Sache.

Leider gibt es viel zu viele Hundevermehrer, denen es völlig egal ist ob Welpe und Besitzer passen. Dazu kommen die Rassehunde aus dem Ausland mit obskuren Papieren – oder gleich ganz ohne, die gekauft werden, weil sie entweder billig sind oder man Mitleid hat, was absolut niemandem hilft (außer vielleicht dem einen Welpen), denn es führt nur dazu, dass noch mehr Welpen billig produziert und verschachert werden.

Zu den guten Gründen für einen Welpen vom Züchter:

Man weiß was man bekommt – oder wenigstens kommt man nahe dran.

Man kennt die Umgebung/Umstände unter denen der Welpe aufgewachsen ist.

Man kennt (oder sollte) die Mutter und mit viel Glück vielleicht auch den Vater, die Großeltern oder andere Anverwandte.

Man bekommt einen gesunden Welpen – bei guten Züchtern ist das wirklich so, denn ihnen liegt an den Hunden und das Geld spielt eine Nebenrolle.

Für bestimmte Aufgaben sind bestimmte Hunde geeignet und man muss einfach wissen, wen bzw. was man bekommt – z.B. Assistenzhunde, Rettungshunde, Arbeitshunde etc.

 

Meine ersten beiden Welpen waren vom Züchter. Meine Azawakh – Hündin wurde von einer guten Freundin gezüchtet und ich durfte mir den ersten Welpen im Wurf aussuchen. Das war so eine Ehre und wie hätte ich nein sagen können.  Ghazal wurde 14 Jahre alt und war in ihrem Leben außer einem Unfall nie ernsthaft krank.

Paula, meine zweite, war ein beschlagnahmter Bullmastiff-Welpe aus Tschechien, viel zu früh von der Mutter weg, extrem unsicher und ängstlich, ein absoluter Montagshund, der nur 4 Jahre wurde.

 

Luna, mein dritter Hund, ist jetzt 13. Damals wollte ich unbedingt einen Boxer-Mischling und konnte absolut nirgendwo einen finden. Also tat ich was man nicht tun soll, ich ging ins Internet – und fand in einem TH in Spanien einen Boxer-Hündin mit zwei Jungen. Die Erfahrungen damit waren gut und schlecht. Alles, was man mir über den Welpen sagte war richtig. Sie war schwierig, sie hatte Durchfall, sie war ein Boxer-Mischling. Es hat sich aber nie irgendjemand dafür interessiert, ob ich einen Vertrag unterschrieben hatte, was mit dem Hund geschah. Aber sie sagten mir auch, dass sie 50 Welpen im Tierheim haben (das in Andalusien war), und froh um jeden sind, der geht.

Wie Ghazal war Luna eigentlich immer soweit gesund. Sie ist ein toller Hund, lernbegierig, angstfrei, ohne Probleme im Skelettsystem – und nach den Erfahrungen mit Paula habe ich das schätzen gelernt.

 

Rhoda, meinen momentanen Welpen, habe ich mir gezielt ausgesucht. Es wäre gelogen zu sagen, dass sie mir nicht auch optisch zusagt, aber ich wollte einen Jagdhund oder Jagdhund-Mischling, denn ich will das mantrailen weiter betreiben und Jagdhunde haben in der Regel Spaß daran. Was macht es für einen Sinn, wenn ich einen Welpen/Hund habe und dann nicht das mit ihr machen kann, was uns beiden Spaß macht?

 

Wobei wir wieder beim  Thema sind – wie such ich einen Welpen aus?

 

Wenn es denn ein Rassehund sein soll, dann wäre es gut sich VOR dem Kauf über die Rasse, deren Bedürfnisse und Möglichkeiten zu informieren. Es macht keinen Sinn, sich einen Mops zu kaufen – nur um dann festzustellen, dass man eigentlich lange Radtouren mit dem Hund machen wollte und ein Husky vielleicht besser geeignet gewesen wäre.

Man sollte sich auch unbedingt Gedanken machen, was man mit dem Kauf unterstützt. Will man unbedingt eine Qualzucht, nur weil es gerade Mode ist? Und wenn es denn schon eine solche Rasse sein soll, dann gibt es ja vielleicht auch verantwortungsvolle Züchter, die sich Gedanken über zu kurze Nasen und ähnliches machen.

Ich habe in der Praxis Möpse, deren  Schnaufen ich nicht höre – gleiches gilt für Französische Bulldoggen, die voll leistungsfähig sind und deren Lebensqualität nicht eingeschränkt ist. Und es soll auch Deutsche Schäferhunde geben, die einen geraden Rücken haben.

Also – achten Sie darauf, WO Sie Ihren Welpen kaufen. Haben Sie ein gutes Gefühl? Haben sie Verwandtschaft gesehen? Wie ist die Mutter? Und wenn Sie sich nicht sicher sind, dann investieren sie das Geld und nehmen eine Fachfrau/einen Fachmann mit zum Aussuchen. Das zahlt sich am Ende mehrfach aus.

 

KAUFEN SIE NIE HUNDE AUS DEM AUTO ODER AUS UNBEKANNTER QUELLE IM AUSLAND oder dem Internet!

 

Einen Hund aus Mitleid zu kaufen ist grob fahrlässig und auch wenn Ihnen der Anblick des armen Welpen die Tränen in die Augen treibt, lassen Sie ihn um Himmels Willen dort! In dem Moment, in dem Sie den Welpen kaufen, wird schon ein neuer geplant, der den Platz einnehmen muss. Die Welpenmaffia trocknet man nur dadurch aus, dass man diese Welpen nicht kauft. Selbst wenn der Mops vielleicht nur einen Bruchteil von dem kostet, was ein guter Züchter verlangt, aber Sie werden dafür teuer bezahlen.

 

Wenn Sie einen Hund aus dem Tierschutz wollen – auch gut.

Oft geht dabei der erste Weg ins nahe gelegene Tierheim. Und sehr oft ist der Laie dort völlig überfordert, denn es gibt so viele Hunde, und alle tun einem leid. Man kann dann Glück haben und ein Tierheim finden, in dem die Beratung fachlich gut gemacht wird. Oder man landet in einem Tierheim, in dem die Mitarbeiter zwar nett und lieb zu den Tieren sind, aber leider sonst keine Ahnung haben.

Tierheim-Hunde, egal ob aus Deutschland oder anderswo, sind in der Regel Second Hand Tiere. Das soll nicht abschätzig klingen, aber es ist eine Tatsache. Die Hunde bringen Erfahrungen mit, die gut und schlecht sein können. In der Mehrzahl sind es schlechte, denn es gibt ja Gründe, warum ein Hund im Tierheim landet – der Tod/die Krankheit eines Besitzers ist eher die Ausnahme.

 

Wenn Sie einen Hund aus dem Ausland aufnehmen wollen, sollten Sie sich klar darüber sein, dass es oft traumatisierte oder wenig sozialisierte Hunde sind, die zu ihnen kommen. Italien, Spanien, Griechenland – diese Länder sind relativ unproblematisch. Dort ist Tierschutz etabliert, wird oft sehr professionell durchgeführt und auch wenn es natürlich trotzdem „arme“ Tiere sind, ist es sehr selten mit den Zuständen zu vergleichen, die z.B. in Rumänien oder Montenegro gefunden werden. Dort bekommen Sie oft hoch traumatisierte Hunde oder Hunde, die noch nie wirklich Kontakt zu Menschen hatten. Solche Hunde gehören NIE in die Hände von Menschen, die zum ersten Mal einen Hund nehmen. Man könnte auch diskutieren, ob solche Hunde überhaupt hierher kommen sollten. In meinen Augen sollte man Strassenhunde dort lassen, wo sie sind. Einfangen, kastrieren und dann wieder ins Rudel entlassen.

 

Ich habe solche Hunde versucht zu behandeln und bin immer gescheitert. An einen besonders tragischen Fall erinnere ich mich oft. Eine etwas 4-5 Jahre alte Hündin war in Spanien eingefangen worden, weil Tierschützerinnen mit ihr Mitleid hatten. Sie hatte bis dahin in einem funktionierenden Rudel in der Estrema Dura gelebt (dort gibt es völlig autark lebende Rudel). Da sie rangniedrig war, war sie sehr dünn gewesen und oft vom Futter weggebissen worden. Sie gehörte aber zu dem Rudel und hatte bis zum Tag ihres Einfangens so gut wie keinen Kontakt zum Menschen gehabt.

 

Eine sehr nette Familie hatte das Bild im Internet gesehen und sich sofort verliebt. Also kam Blanca mit dem Flieger nach Deutschland. Die Familie holte sie am Flughafen ab und nahm sie mit nach hause. Sie fingen sich an Sorgen zu machen nachdem Blanca drei Tage lang nicht hinter dem Sofa heraus kam, weder trank noch aß, Kot oder Urin absetzte, ja sich nicht ein Mal rührte. Den Hund zum Tierarzt zu bringen war ein Drama, da Blanca nur schrie, im Auto tobte und die Tierärztin auch nicht wirklich wusste, was sie tun sollte. Sie empfahl eine Hundeschule.

 

Die Hundetrainer kamen und gingen und es änderte sich nur insofern etwas, dass Blanca schließlich nachts fraß und dann auch kotete und urinierte – alles im Wohnzimmer. Kontakt zu den Menschen suchte sie nicht. Die Ehe zerbrach über dem Problem, keiner konnte dem Hund helfen. Drei Verhaltenstherapeuten scheiterten, Medikamente änderten nichts. Der Hund ging zwar an der Schleppleine spazieren, aber konnte nie abgeleint werden, und an der Leine nahm sie keinen Kontakt zu anderen Hunden auf. Zuhause lag sie in einer Ecke und ignorierte die Familie.

Am Ende wurde sie ins Tierheim abgegeben da die Mutter inzwischen deshalb in psychologischer Behandlung war weil ihr das Leid den Schlaf raubte.

 

Sicher, es ist ein extremer Fall, aber es gibt ihn und er beschreibt was passieren kann, wenn man sich zu wenig Gedanken macht und schlecht beraten ist.

 

Deshalb – Finger weg vom Auslandstierschutz, wenn man nicht genau weiß, was man tut.

 

Womit wir beim nächsten Schritt sind – der Welpe ist eingezogen.

 

Welpen machen Dinge kaputt.

Welpen haben keine Manieren.

Welpen nehmen so gut wie alles in den Mund, viele schlucken Dinge, die nicht geschluckt werden sollen.

Welpen kauen an Kabeln herum.

 

Das ist nicht nur nervig, es ist auch gefährlich – für den Welpen und für Sie! Deshalb ist es sinnvoll und auch erziehungstechnisch geschickt den Welpen einzugrenzen – am besten mit einer Box. Was nicht heißen soll, dass nun ein kleiner Hund irgendwo alleine im Haus in der Box schlafen muss. Denn das geht gar nicht.

Welpen, die in der Natur alleine sind, sind dem Tod geweiht. Was in der Schlussfolgerung heißt, für einen Welpen ist allein sein verbunden mit TODESANGST! Vergessen Sie das nicht! Welpen brauchen Wärme, Nähe und Verbindung.

ABER – sie brauchen auch Grenzen. Den Mittelweg zu finden ist die Kunst.

 

Rhoda, mein Welpe, schläft in der Box neben dem Bett. Sie sieht mich, riecht mich und ist immer bei mir, sie hat die Box super angenommen und geht sogar freiwillig rein, weil das ihr abendliches Schlafritual ist, manchmal auch tagsüber, wenn sie ihre Ruhe will. Es ist ihr Raum und sie fühlt sich darin ruhig und sicher. Und genau so soll es sein.

Man muss keine Box installieren, es ist kein Zwang, aber es erleichtert dem Welpen und dem neuen Besitzer die ersten Wochen – und der Welpe ist schneller stubenrein.

 

Und damit endet dieser kleine Artikel schon, der kein Ersatz für eine Hundeschule sein soll. Denn dahin sollten Sie mir Ihrem Welpen auch. In die Welpenstunde, die idealerweise 1-2 x wöchentlich stattfindet und in der nicht mehr als 6-8 Welpen je Trainer sind.

Was ich erreichen möchte ist – überlegen Sie sich genau, dass sie einen Welpen fürs Leben haben. Welpen werden erwachsen und irgendwann alt. Sie können krank werden, sie können schwierig sein.

Ein Welpe sollte immer eine Entscheidung fürs Leben sein zumindest von der Einstellung her. Wenn jemand krank wird – das kann niemand beeinflussen, aber es geht ums Prinzip.

 

Ein Hund ist ein Lebewesen, so wie wir. Vergessen Sie das nicht.

 

 

Copyright Beatrice Milleder, 2017 

 

Die Sache mit dem Ball

Halsband, Geschirr oder Halti?

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