Ganzheitliche Tierarztpraxis

Magen-Darm-Probleme und Darmsanierung

Ich hatte es eigentlich gar nicht geplant, aber irgendwie hat sich diese Thematik in den letzten Jahren in meinen Praxis-Alltag geschlichen, so dass inzwischen fast jeder 2. Patient mit einem derartigen Problem kommt. Sei es, weil sich herumgesprochen hat, dass ich mich intensiv damit beschäftigt habe oder weil das Thema einfach so zugenommen hat – vor allem bei Hunden. Wahrscheinlich ist es eine Kombination von beiden.

Für mich stellt es sich zumindest so dar, dass immer mehr Hunde vor allem unter Magen-Darm Problemen leiden. Es gibt viele Theorien darüber, woran es liegen mag – Fütterung hat sicher sehr viel damit zu tun, aber auch Stress (ja, viele Hunde leiden sehr unter Stress – Pferde übrigens auch!). Problematisch können viele andere Faktoren sein (siehe auch unten). Ein weiterer Punkt, den ich hier ansprechen möchte, ist die übermäßige Verfütterung von Kräutern. Diese können medizinisch wichtig und nötig sein, aber dieser Tage werden sie oft völlig wahllos verfüttert. Dabei vergessen viele Halter, dass in Kräutern häufig ätherische Öle stecken, die von Tieren nicht immer gut toleriert werden. Nicht selten führt schon das Absetzen von Kräutermischungen zu einer Verbesserung von Symptomen. Gerade hier ist weniger oft mehr.

Gleiches gilt für die unkontrollierte Verfütterung von Probiotika. Oft ist es Haltern gar nicht bewusst, dass dem Futter ihres Hundes Probiotika beigemischt sind, da ihnen die Fachbegriffe nicht geläufig sind. Derartige Stoffe können die Darmflora eines Hundes nachhaltig verändern – auch (und oft) nicht zum Besseren.

Grundsätzlich gilt: die Gabe arzneilich wirksamer Substanzen – seien sie chemisch oder „natürlich“ sollte niemals selbständig gemacht werden, sondern immer mit einem Tierarzt/einer Tierärztin besprochen werden der/die sich in Sachen Magen-Darm und Darmsanierung auskennt.

 

 

BARF-Ration für einen 20 kg Hund bestehend aus Zicklein-Rippen und Puten-Menü (Muskelfleisch, Innereien und Obst/Gemüse-Mix) mit gutem Öl (bevorzugt kurzkettig!) und Seealgenmehl.

Und Nein - nicht jeder muss bei mir auf BARF umstellen!

 

 

Ein weiteres Thema soll hier nicht unerwähnt bleiben:

Leaky Gut – das unterschätzte Problem

Leaky Gut – oder auf deutsch der „durchlässige Darm“ – ist ein Syndrom das bis vor ein paar Jahren immer in die alternative Ecke geschoben und von der Schulmedizin pfleglich ignoriert oder auch belächelt wurde.

Inzwischen hat sich das geändert und immer mehr Mediziner und Wissenschaftler beschäftigen sich damit.

Was ist ein Leaky Gut?

Zwischen dem Darm und dem Körper existiert eine natürliche Barriere, die dafür sorgen soll, dass nur „gute“ Dinge resorbiert (aufgenommen) werden. Wenn diese gestört ist, also durchlässiger als von der Natur vorgesehen, sprechen wir von einem Leaky Gut. 

Wie entsteht ein Leaky Gut?

Eine gestörte Darmbarriere ist als Ursache für Darmerkrankungen, aber auch andere systemisch entzündliche Erkrankungen wie z.B. Polyarthritis, Autoimmunerkrankungen, Hautprobleme oder Allergien beschrieben. Abgesehen von entzündlichen Darmerkrankungen ist die Pathogenese der Darmpermeabilitätsstörung (Durchlässigkeitsstörung) oft unklar. Bakterielle Fehlbesiedlungen des Darmes sind häufig verbunden, wahrscheinlich aber eher Folge, als Ursache. Zahlreiche Umstände können einen Leaky Gut begünstigen, z. B. Infektionen, die Aufnahme von toxischen Metallen, Medikamente (Entzündungshemmer, Schmerzmittel, Antibiotika u. a.), natürlich auch falsches Futter zu dem vor allem beim Hund (und noch mehr bei der Katze) die übermäßige Fütterung von Kohlenhydraten gehören. Auch Stress kann Leaky Gut fördern, wahrscheinlich über psychovegetative Veränderung des Mikrobioms (=Darmflora) oder die Stimulation von Mastzellen (die wiederum für allergische Prozesse und anderes verantwortlich sind). Futtermittelunverträglichkeiten können gleichzeitig Ursache und Folge eines Leaky Gut sein.

Wie diagnostiziert man einen Leaky Gut?

Dazu ist das Einschicken einer Kotprobe und die Ermittlung der richtigen Parameter (Darmflora, verschiedene Marker) erforderlich. Nur spezialisierte Labore bieten das an, deshalb ist es sinnvoll bei Tierarzt zu erfragen ob das in der Praxis überhaupt gemacht wird. Eine normale Kotprobe oder ein normales Kotprofil ist KEIN Test auf Leaky Gut und dafür auch nicht geeignet!

Wann sollte man an einen Leaky Gut denken?

Wie oben schon erwähnt werden viele Krankheiten inzwischen mit einem Leaky Gut assoziiert. Leider werden meist viele Blutbilder angefertigt aber nicht ein aussagekräftiges Kotprofil, was dazu führt, dass es oft lange dauert, bis die Ursache einer Erkrankung gefunden und entsprechend behandelt wird.

Es lohnt sich also immer ein bisschen weiter zu denken. Viele – vor allem ganzheitliche orientierte Tierärzte/innen bieten solche Beratungen/Profile/Behandlungen an. Es ist oft erstaunlich was es für ein Tier bedeutet (und damit auch für das ganze Umfeld), wenn ein Darm wieder normal funktioniert.

Aber ACHTUNG – das ist keine Behandlung, die über Nacht Erfolge bringt! Es ist meist ein langer Weg und es dauert bis Schäden, die oft über viele Jahre entstanden sind, wieder behoben werden können! Erwarten Sie also keine Wunder!

 

 

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