Ganzheitliche Tierarztpraxis

ZECKEN-ZECKEN-ZECKEN

 

Das elende Leid mit dem Getier.

 

 

Frühjahrszeit ist Zeckenzeit und selten war das so wahr wie in 2020 scheint es. Und natürlich ist auch schon wieder das Geschäft mit der Angst im Gange.

 

Vorneweg: ja, Zecken können schlimme Krankheiten übertragen. Ja, man sollte sich davor schützen. Aber, NEIN, es ist nicht die REGEL dass ein Zeckenbiss eine schwere Krankheit auslöst.

 

Und jetzt zum eigentlichen Thema.

Wir als Tierhalter sind damit sicher vertrauter als andere Menschen. Zecken sind nervig und ich finde sie jetzt auch nicht sonderlich sympathisch, aber sie sind auch keine Monster. Ohne darauf weiter einzugehen, will ich hier eigentlich nur kurz ein paar Fakten aufschreiben.

 

I. Fakten zu Zecken und übertragbaren Krankheiten

 

1. Je wärmer ein Winter ist, desto mehr Zecken gibt es in der Regel im Frühjahr.

 

2. Zecken sitzen nur sehr selten auf Bäumen. Sie sind vor allem in Gras, und das bevorzugt am Morgen wenn es noch schön feucht ist. Ganz besonders häufig findet man sie an Waldrändern oder in im Wald gelegenen Wiesen.

 

3. Zecken scheinen eine Präferenz für helle Farben zu haben – Besitzer von weißen Hunden können das oft bestätigen.

 

4. Zecken können (müssen nicht!) Krankheitserreger in sich tragen. Dazu gehören so unschöne Dinge wie Borrelien, Babesien, Anaplasmen, Ehrlichien und – für den Menschen unter Umständen gefährlich – das FSME-Virus.

 

5. Es gibt gültige Verteilungs- und Vorkommenspläne, die man online anschauen kann in welchen Gegenden welche Erreger gehäuft auftreten – man nennt das Endemiegebiete.

 

6. In den allermeisten Fällen verursacht der Kontakt mit einer Zecke keine Probleme. Selbst wenn man mit den oben genannten Erregern Kontakt hat führt das in der Regel zwar zum Anstieg von Antikörper-Titern aber zu keinerlei klinischen (also sichtbaren/erfahrbaren) Problemen. Ein erhöhter Titer heißt nur, dass der Körper sich mit etwas auseinandergesetzt hat aber er heißt NICHT, dass das Tier krank ist!

 

7. Es kann in manchen Fällen zu schweren klinischen Symptomen kommen, dazu gehören hohes Fieber, Abgeschlagenheit, Veränderungen im Blutbild und Ähnliches. In diesen Fällen kann eine Behandlung mit z.B. speziellen Antibiotika angezeigt sein. Danach ist es allerdings extrem wichtig diese Patienten ganzheitlich und umfassend zu behandeln und deren Immunsystem zu stabilisieren! Denn fast immer gibt es einen Grund für eine solch extremes Krankheitsgeschehen. Fragen Sie dazu eine/n entsprechend ausgebildeten Tierarzt/Tierärztin!

 

 

II. Fakten zur Prophylaxe

 

1. Es gibt keinerlei Impfung etc. gegen die oben angegebenen Erreger (Ausnahme: FSME beim Menschen. Das ist aber ein ganz anderes Thema und gehört nicht hierher.)

 

2. Es gibt extrem viele chemische Mittel, seien das Spot-Ons, Sprays, Halsbänder oder Tabletten um Zecken und andere Plagetiere abzuhalten. Die Werbekampagnen dafür starten jedes Jahr im Januar.

 

3. Viele der in 2. Erwähnten Mittel enthalten neurotoxische, Immunsystem-schädigende und Insekten-/Umwelt-giftige Inhaltsstoffe, die nicht nur z.B. Bienen stark schädigen und die Umwelt verschmutzen sondern auch bei Ihren Tieren z.T. sehr unerwünschte Nebenwirkungen auslösen können. Diese sind unschwer in den Beipackzetteln nachlesbar. Dazu kommen auch evtl. Langzeitschäden.

 

4. Es gibt ebenso viele mehr oder weniger nützliche und nicht schädliche Stoffe und Mittel, die Zecken ebenso gut abhalten, aber natürlich mehr Arbeit und Aufmerksamkeit beim Halter erfordern als so ein „praktisches“ chemisches Mittelchen. Ich werde sie hier nicht alle aufzählen, aber ein paar kleine Tipps anfügen.

 

5. Kein Prophylaxe-Mittel gegen Zecken ist 100% sicher. Es scheint z.T. auch so zu sein, dass Mittel in einem Jahr gut helfen und im nächsten Jahr gar nicht. Inwiefern das mit Gewöhnung und Immunität der Zecken zusammenhängt kann ich nur vermuten.

 

 

III. Tipps

 

1. Suchen Sie Ihre Tiere nach jedem Spaziergang gründlich ab! Jede Zecke, die nicht andockt ist eine gute Zecke. Ja, das erfordert je nach Felllänge Zeit, aber das ist es wert!

 

2. Es hilft mit einem feuchten Tuch über den Hund zu streichen, gerne in weiß, denn Zecken scheinen von hellen Farben angezogen zu werden und auf feuchten Tüchern bleiben sie hängen.

 

3. Machen Sie keine langen Spaziergänge am frühen Morgen in feuchtem, hohem Gras (das sollten Sie ohnehin nicht tun, denn das ist Tierfutter durch das Sie da laufen und Sie könnten abgelegte Kitze aufschrecken!). Meiden Sie den Waldrand zur gleichen Tageszeit!

 

4. Zecken mögen bestimmte Gerüche nicht. Dazu zählen fast alle ätherischen Öle. Grundsätzlich sollte man bei Tieren mit ätherischen Ölen vorsichtig sein, aber in verdünnter Form und vorsichtig verwendet können sie gute Dienste leisten.

 

5. Es gibt sehr gut wirksame natürliche Mittel, die man fertig kaufen kann – fragen Sie Ihren Tierarzt/ihre Tierärztin.

 

6. Bierhefe (Vit B) schon sehr früh im Jahr zuzufüttern vermindert den Befall mit Zecken deutlich. Früh heißt mindestens ab Februar.

 

7. Seien Sie vorsichtig mit der Zufütterung von bestimmten Ölen – manche Tiere können diese nur schlecht verstoffwechseln.

 

8. Stärken Sie das Immunsystem Ihres Tieres! Das ist fast noch wichtiger als der Rest. Lassen Sie sich dabei gut beraten. Viel hilft viel ist die falsche Devise. Zu viele Kräuter z.B. können einem Tier eher schaden als helfen.

 

Und das Wichtigste: keine Panik! Lassen Sie sich nicht von den Angstmachern in Schlaflosigkeit drängen. Wir leben schon seit ganz langer Zeit mit Zecken und bisher haben sie weder uns noch unsere Haustiere ausgerottet. Gleiches gilt für die Erreger, die sich manchmal tragen. Kontakt mit Erregern ist für unseren Organismus lebenswichtig, nur so bleibt er wach und das Immunsystem kompetent.

 

Auf einen schönen Sommer!

 

Beatrice Milleder, 2020